Informationen zu den verfügbaren Corona-Impfstoffen

Liebe Patienten,

ab dem 07.06.21 entfällt die Priorisierung für alle im niedergelassenen Bereich verwendeten Impfstoffe.

Nach wie vor erhalten alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte aber gerade einmal zwischen 10 und 30 Impfstoffdosen wöchentlich (Stand 01.06.2021). Besonders ausgeprägt ist der Impfstoffmangel beim Impfstoff Comirnaty® der Firma BioNTech/Pfizer. Hier werden uns momentan nur zwischen 6 und 18 Impfstoffdosen wöchentlich für die Erstimpfungen zur Verfügung gestellt (die Anzahl an zugeteilten Impfdosen pro niedergelassenem Arzt ist übrigens für alle Ärzte gleich). Ob und wann sich dieser prekäre Mangel an Impfstoffen bessert, ist momentan nicht absehbar.
 
Für die Impfstoffe der Firmen Astra Zeneca (Vaxzevria®) und Johnson & Johnson (COVID-19 Vaccine Janssen®) stehen uns deutlich mehr Impfkontingente zur Verfügung.
 
Deshalb werden Sie sicherlich in Erwägung ziehen, sich mit einem der beiden letztgenannten Impfstoffe impfen zu lassen, um nicht ganz so lange und auf unbestimmte Zeit warten zu müssen. Aber von denen haben Sie in letzter Zeit wahrscheinlich viel Schlechtes gehört, so daß Sie verunsichert sind.
 
Damit Sie sich eine eigene Meinung bilden und eine sachlich fundierte Entscheidung treffen können, habe ich Ihnen im Folgenden die Wichtigsten Informationen zu den Impfstoffen zusammengestellt (alle Quellen sind am Ende dieser Seite verlinkt).
 
Das Wichtigste in kurzer Zusammenfassung
Die bei Vaxzevria® und Janssen® gemeldeten gravierenden Nebenwirkungen sind bei beiden Impfstoffen extrem selten. Einen Vorteil sehe ich für den Impfstoff COVID-19 Vaccine Janssen®, weil hier noch weniger seltene Nebenwirkungen auftraten als bei Vaxzevria®, und weil diese bei den in Deutschland durchgeführten Impfungen bislang gar nicht gemeldet wurden. Darüberhinaus muss der Impfstoff nur einmalig verabreicht werden, so dass das Nebenwirkungsrisiko nur einmal besteht und ein schnellerer Impfschutz zu erreichen ist.
 
Die eigentliche Problematik sehe ich eher in der etwas geringeren Wirksamkeit von Vaxzevria® und Janssen® gegenüber Comirnaty®. Natürlich würde ich am liebsten alle unsere Patienten mit Comirnaty® impfen. Dies ist zum aktuellen Zeitpunkt aber gar nicht bzw. nur unter Inkaufnahme einer erheblichen Zeitverzögerung möglich.
 
Auf den Punkt gebracht ist also die Entscheidung, die Sie für sich treffen müssen:
 
  • Möchte ich möglichst schnell einen Impfschutz erreichen, um mich vor COVID-19 zu schützen (und um auch mehr gesellschaftliche Freiheiten wahrnehmen zu können)? → Dann ist Janssen® für Sie die richtige Wahl, je nach Verfügbarkeit auch Vaxzevria®.
  • Möchte ich unbedingt eine höhere Wirksamkeit betreffs des Impfschutzes und nehme eine längere Wartezeit mit dem das Risiko inkauf, dass ich mich in der Zwischenzeit wohlmöglich mit COVID-19 infiziere? → Dann ist Comirnaty® für Sie die richtige Wahl.
 
Wenn Sie Ihre Entscheidung getroffen haben, können Sie sich über unseren Online-Terminplaner selbst einen Termin reservieren.
 
Weitere detaillierte Informationen
Für alle Impfstoffe gilt: Mit bestimmten vorübergehenden Nebenwirkungen ist häufig zu rechnen. Diese sind aber in der Regel nur leicht bis mäßig ausgeprägt und von kurzer Dauer. Am häufigsten sind Schmerzen und Rötung an der Einstichstelle gefolgt von Erschöpfung, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Schüttelfrost, Gelenkschmerzen, Fieber und Durchfall.
Es ist deshalb sicherlich sinnvoll, für die Nacht und den Tag nach der Impfung Ibuprofen 400 mg oder Paracetamol 500 mg bereit zu halten. Damit sind die Beschwerden gut beherrschbar. Sie sollten die Medikamente allerdings nicht prophylaktisch, sondern erst bei Auftreten von Beschwerden anwenden.
 
Impfstoffspezifische seltene, aber gravierende Nebenwirkungen: Zunächst ist festzuhalten, dass die bislang in den Medien diskutierten Nebenwirkungen so selten sind, dass es äußerst schwierig ist, zu unterscheiden, ob die aufgetretenen Erkrankungen eine Nebenwirkung des jeweils verwendeten Impfstoffes sind oder ob sie einfach nur den spontan in der gesunden Bevölkerung auftretenden Erkrankungsfällen (sog. Inzindenz) entsprechen.
 
Astra Zeneca (Vaxzevria®):
 
  • Es kam überzufällig häufig zu Thrombosen mit begleitender Verringerung der Blutplättchen (sog. Thrombozytopenie). Es wurden sowohl Thrombosen im Gehirn (zerebrale Sinusvenensinusthrombosen), als auch Thrombosen in den Arterien gemeldet. Einige Fälle hatten einen tödlichen Ausgang. Die Mehrzahl dieser Fälle trat innerhalb der ersten drei Wochen nach der Impfung und bei Frauen unter 60 Jahren auf. Die Häufigkeit liegt laut Fachinformation bei < 1:10.000 (Quelle: 1.). Zum Vergleich: Die Häufigkeit von Thrombosen bei Frauen, die die “Pille” einnehmen, liegt – je nach verwendetem Hormonpräparat – bei 5 bis 12 von 10.000 (Quelle: 2.).
  • Laut PEI (Paul-Ehrlich-Institut, ist für die Sicherheit von Impfstoffen in Deutschland zuständig), wurde eine “auffällige Häufung” des Guillain-Barre-Syndroms festgestellt, einer sehr seltenen Nervenerkrankung (Quelle: 3.). Bei dieser sehr seltenen Erkrankung, die auch nach jeder Infektion (z.B. Harnwegsinfekt, Erkältung) auftreten kann, greift das eigene Immunsystem die peripheren Nerven an. Dies führt zu Muskelschwäche und manchmal zu Lähmun­gen, die tödlich enden können. Die allermeisten Patienten erholen sich allerdings vollständig von der Erkran­kung. Vor einer abschließenden Bewertung dieser “auffälligen Häufung” müssen weitere Daten ausgewertet werden.
 
Johnson & Johnson (COVID-19 Vaccine Janssen®):
 
  • Hier wird dieselbe Nebenwirkung betreffs Thromboseneigung wie bei Vaxzevria® beschrieben (Quelle: 3.). Auch die Angaben in der zugehörigen Fachinformation sind identisch (Quelle: 4.). Laut Statistik des PEI gab es aber bei bislang nach sämtlichen 559.596 bislang in Deutschland verimpften Einzeldosen KEINE Meldungen einer solchen Nebenwirkung (Quelle: 5.), und das, obwohl die Ärzte diese mögliche Nebenwirkung natürlich besonders im Blick haben.


BioNTech (Comirnaty®):

  • Eine derzeit untersuchte mögliche Komplikation sind Herzmuskelentzündungen (Myokarditiden), die im Anschluss an eine Impfung mit Comirnaty® berichtet wurden. Zuletzt hatten die Medien in Israel über „Dutzende von Fällen” nach der Impfung mit Comirnaty berichtet, was aber angesichts der hohen Impfquote im Land, das Anfangs allein den Impfstoff von Biontech/Pfizer eingesetzt hat, noch kein Beweis für eine Kausalität ist. Für das PEI gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass die Fälle auf den Impfstoff zurückzuführen sind (Quelle: 2.).


Wirksamkeit der Impfstoffe:

Astra Zeneca (Vaxzevria®):

Die Wirksamkeit einer 2-maligen Impfung, die im Abstand von 4-8 Wochen erfolgte, betrug 50,4%, während die Wirksamkeit bei einem Abstand von 8-12 Wochen 72,1% betrug und bei einem Impfintervall von >12 Wochen 75,4% (Quelle: 6.).

Johnson & Johnson (COVID-19 Vaccine Janssen®):

Die Zulassungsstudien zeigten eine Wirksamkeit von 67 Prozent gegen mittelschwere COVID-19 Infektionen und gegen schwere COVID-19 Infektionen eine Wirksamkeit von 77 Prozent 14 Tage bzw. 85 Prozent 28 Tage nach der Impfung (Quelle: 7.). Eine Untersuchung auf eine allgemeine Wirksamkeit gegen (auch leichte) COVID-19 Infektionen fand nicht statt, hierüber sind also aktuell keine Aussagen möglich.

BioNTech (Comirnaty®):

In der neuesten Studie zeigte der Impfstoff eine Wirksamkeit von 91,3 % gegen COVID-19 und gegen einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf eine 100-prozentigen Wirksamkeit (Quelle: 8.).

Übrigens: Was bedeutet eigentlich die Prozentangabe zur Wirksamkeit genau?

Die angegebenen Prozentzahlen werden oft fehlinterpretiert: Mit einer Wirksamkeit von z.B. 70% ist nicht gemeint, dass das Immunsystem der geimpften Personen nur zu 70% einen Immunschutz aufbaut. Die Wirksamkeitsraten wurden vielmehr in Studien ermittelt, in denen mehrere tausend Menschen den Impfstoff (Verumgruppe) und ungefähr die gleiche Anzahl an Menschen ein Placebo (z.B. steriles Wasser – Placebogruppe) geimpft bekamen. Dann wurde ermittelt, wie oft die Menschen in der jeweiligen Gruppe trotz der Behandlung eine Infektion mit Corona erlitten. Diese “Versagerrate” der Verumgruppe wurde ins Verhältnis zu der der Placebogruppe gesetzt. Bei einer Wirksamkeit von 70% war die Häufigkeit einer Coronainfektion in der Verumgruppe um 70% seltener als in der Placebogruppe (70% der Geimpften waren also vollständig – “zu 100%” – geschützt).

Was bei dieser Art der Wirksamkeitsangabe unberücksichtigt bleibt ist die Tatsache, dass auch die “Impfversager” (in unserem Beispiel 30%), die sich trotz Impfung mit Corona infizierten, einen teilweisen Schutz aufgebaut hatten, denn ihre Krankheitsverläufe waren deutlich milder, und es kam zu weniger Krankenhausbehandlungen.

 
Quellenangaben: